Ich versuche einmal dir zu antworten OneOfUs, auch wenn ich deinen letzten Worten entnehmen kann, dass es dich weder interessiert, noch du dich damit beschäftigen möchtest. Ich fange einmal hinten an.
Diese letzten 4 Fragen von mir, waren ein Vergleich. Was würdest du sagen, wenn ABBA das machen würden. Um mehr Erfolg, bessere Chartplätze oder was weiß ich in einer bestimmten Region erreichen zu können. Ich gebe zu, die Fragestellung ist ein wenig schräg, da sie dies ja Heute nicht mehr tun müssen. Es ist in meinen Augen aber auch eine prinzipielle Frage. Wie weit kann, darf, sollte ich als Künstler mich anpassen, um Erfolg zu haben. Aber um es dir noch einmal zu erklären. Nehmen wir das Beispiel Ode To Freedom, da ich weiß, du schätzt dieses Lied sehr. Stell dir vor, und das finde ich jetzt sehr schräg, sie würden dieses Lied, um es in China oder Russland besser vermarkten zu können, für diesen Kulturkreis in Ode An Die Schönheit oder Ode An Die Zukunft umbenennen. Das Lied hätte dann ein völlig andere Aussage, einen völlig anderen Inhalt. Für mich wäre diese Bedeutung des Liedes dann nicht mehr vorhanden - was nicht heißt, das es keine Bedeutung mehr hätte. Wie würde das bei dir aussehen? Und nichts anderes ist mit Chess passiert. Erklärung: Ich werde jetzt nicht auf die verschiedenen Titel eingehen, sondern nur auf den Inhalt, die Geschichte.
Das Album beginnt in Meran mit der Freude der Einwohner, so ein großes Ereignis bei sich zu haben - das wird zu lang, ich kürze. Der Weltmeister (Amerikaner), trifft auf auf seinen Herausforderer (Russe). Der Amerikaner verliert die Spiele am Ende. Während der Weltmeisterschaft verlieben sich der Russe und die Adjudantin des Amerikaners ineinander. Das führt dazu, dass der Russe nach dem Turnier nicht wieder zurück nach Russland reist, sondern in den Westen flüchtet. Im zweiten Teil tritt der Russe nun als Titelverteidiger in Bangkok an, gegen einen anderen Russen, der von seinem ehemaligen Berater begleitet wird. Der Amerikaner ist als TV Moderator dabei. Er unternimmt einiges, um dem Russen die Titelverteidigung zu erschweren. Dafür verbündet er sich sogar mit seinem ehemaligen Gegner, dem früheren Adjudanten des Russen. Trotzdem verteidgt der Russe seinen Titel.
In der britischen Version kommt hauptsächlich ein Nebenstrang mehr in der Vordergrund, ansonsten ist sie dem Album sehr ähnlich. Die Beraterin des Amerikaners und spätere Geliebte des Russen bekommt eine deutlich größere Gewichtung und es kommt ihr Vater ins Spiel. Das, und so verstehe ich Angeleyes, ist eine Anpassung, bei der auch ich sage - gut.
Die amerikanische Version - ja, das ist für mich nun keine Anpassung mehr. Sie beginnt in Budapest, Jahrzehnte vor der eigentlichen Geschichte - mhmm. Aus zwei Turnieren wird nun ein Einziges in Bangkok. Hier ist der Russe der Titelverteidiger, der vom Amerikaner herausgefordert und geschlagen wird. Das hat mit der ursprünglichen Version nichts mehr zu tun.
Die australische Version, wieder nur ein Turnier in Bangkok, es gewinnt nun wieder der Russe. Seine Geliebte ist jetzt nicht mehr Ungarin, wie vorher immer, sondern ist plötzlich Tschechin.
Und noch die schwedische Version. Jetzt beginnt die Geschichte in Moskau, der Rest spielt in Meran. Der Russe verliert absichtlich.
Aus einem zweimaligen Sieger bei einer Schachweltmeisterschaft, wird ein Verlierer, der einmal geschlagen wird und ein anderes Mal freiwillig verliert. Ich weiß ja nicht, was du so an Büchern liest OneOfUs, aber lass es mich einfach mal anhand der Bibel erklären. Mal zieht Moses mit den Israeliten ins gelobte Land, mal tötet er seine "Halbbruder" und lässt er sich zum Pharao krönen und ein anderes Mal schlägt er die Armee der Ägypter. Das sind einfach drei verschiedene Geschichten. Und genau so geht es mir mit den verschiedenen Versionen von Chess. Wie gesagt, natürlich haben B&B jederzeit das Recht, ihr Werk zu verändern. Ich frage mich dann nur warum. Und, ja die Frage vom Anfang, wie weit sollte ich als Künstler gehen, mein Werk zu verändern, um Erfolg zu haben.
Zweiter Punkt, was und wie ich schreibe - ja, darauf kann ich dir nicht wirklich antworten OneOfUs. Ich schreibe so, wie ich fühle, wie ich denke. Tut mir Leid, wenn du dem nicht folgen kannst, aber anders kann ich nicht schreiben. Aber zu deiner Beruhigung, manchmal verstehe ich mich selbst nicht. Manchmal kann man aber einfach auch nachfragen.
Dritter Punkt - Danke OneOfUs für das Kompliment, das du mir zutraust, das zu verstehen, was Andere hier geschrieben haben. Ich hoffe nur, du traust mir da nicht zu viel zu.
Entschuldigung für die beiden letzten Absätze OneOfUs...
Manchmal wünschte ich, ich könnte die Bilder einfrieren, um sie vor den seltsamen Tricks der Zeit zu bewahren.
Ich finde es gut, dass Mungolf diese Veränderung des Inhalts angesprochen hat - ich hatte das bisher gar nicht so realisiert. Ich wusste, dass sie die Lieder etwas verändert haben aber so eklatante Änderungen im Inhalt?
Ich gehe davon aus, dass sie das nur tun, um das Musical aus ihrer Sicht zu perfektionieren. ABBA ging es immer um Perfektion und dann in zweiter Linie um Erfolg, Anerkennung. Ich glaube nicht, dass Geld / Reichtum ihre Haupt-Motivation war - sie hätten es sich nie so schwer gemacht, wären bei einer Formel geblieben.
Die Kritik an Chess war, dass sich der Inhalt zwar spannend liest, aber auf der Bühne schwer umzusetzen ist, weil einfach zu wenig passiert. Und möglicherweise ist das der Grund, warum sie immer noch daran basteln, aber wie immer sie es drehen und wenden. Schach bleibt Schach und da passiert nun einmal wenig ...
Ich bin mir nicht sicher, inwieweit ein Künstler / Autor ein Recht hat, ein Werk zu verändern, das bereits auf der Bühne ist bzw. wie oft er dazu das Recht hat. Ich möchte mich davor informieren und dann auch wirklich bekommen, was ich "bestellt" habe. Das wäre ja so, als wenn ich einen Film Jahre später noch einmal anschaue und auf einmal geht die Geschichte gut aus? Auf einmal wird aus einer Liebeskomödie ein Horrorfilm? Natürlich lebt ein Bühnenstück mehr und natürlich führt jeder Regisseur es anders auf, streicht manchmal sogar Teile, aber die Essenz bleibt trotzdem erhalten.
In diesem Fall: neue Lieder absolut ja! Alte weglassen absolut nein! Neuer Inhalt nein danke! Gutes Ende ja bitte!
Ich finde ja sowieso, dass die konzertante Aufführung "Chess in Concert" mit Idina Menzel und Josh Groban nicht zu toppen ist. Ich schaue mir die CD immer wieder an und ich kann einfach nicht genug davon bekommen.
Danke Cassandra, ich möchte dir meine Gedanken dazu mitteilen.
Perfektionismus und Anerkennung/Erfolg sind oft die gleiche Seite einer Medaille - meine Meinung. Aus meinem Umfeld kenne ich Menschen, die mit Perfektionsmus versuchen, Anerkennung zu bekommen. Zu den anderem Punkt sage ich besser nichts.
Chess lässt sich übrigens richtig gut auch auf einer Bühne umsetzen. Ich fand die Aufführung in Chemnitz sehr gelungen und interessant. Es passierte auf der Bühne eine ganze Menge. Neben den Solisten und dem ganzen Orchester, inklusive einer Band, war der Chor und das Ballet dabei. Es ist nicht so oft, dass Alles an einem Abend gebraucht wird. Mich hat es auf jeden Fall begeistert. Schach bleibt natürlich Schach. Aber ganz ehrlich, Schach ist zwar der Aufhänger für das Musical, doch eigentlich könnte es auch eine ganz andere Sportart ein.
Ich würde schon dem Autor zugestehen, sein Stück zu verändern, sich bestimmten kulturellen Gegebenheiten anzupassen, vielleicht sogar es veränderten Bedingungen anzugleichen. Das er das Recht dazu hat, findet ich unstrittig. Es sollte allerdings, meine Meinung, sehr bewußt und maßvoll eingesetzt werden. Wenn ich den Text eines Liedes leicht verändere, um ihn in einen Film, ein Musical einzupassen, dann würde ich immer sagen gut, kann man machen. Auch für ein Benefizkonzert oder eine große Aufführung hätte ich damit kein Problem. Aber ich finde es bei Chess einfach übertrieben, zu tiefgreifend und vorallem zu viel, zu häufig. Es entstehen einfach ganz neue, andere Geschichten. Jeder hat bei so einem Werk sicherlich unterschiedlichen Lieder, die ihn ganz besonders ansprechen. Und wenn dann genau das Lied fehlt oder nur kurz angespielt wird - ich war und wäre enttäuscht.
Wenn ich ganz ehrlich bin, ich finde die erste Aufnahme, die erste Platte ist die beste Version. Aber das ist Geschmackssache. Vielleicht liegt es ja daran, dass das, was ich zuerst höre und mir gefällt, einfach den tiefsten Eindruck hinterläßt.
Manchmal wünschte ich, ich könnte die Bilder einfrieren, um sie vor den seltsamen Tricks der Zeit zu bewahren.
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